{"id":588,"date":"2017-11-11T18:30:18","date_gmt":"2017-11-11T17:30:18","guid":{"rendered":"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/?p=588"},"modified":"2017-12-30T17:12:25","modified_gmt":"2017-12-30T16:12:25","slug":"in-the-name-of-jesus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/gb\/in-the-name-of-jesus\/","title":{"rendered":"\u201eIn The Name Of Jesus\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Es tut mir leid, dass sich meine Blogeintr\u00e4ge immer mehr versp\u00e4ten. Gleichzeitig ist es so, dass wir hier gerade mitten in den Vorbereitungen f\u00fcr unser Konzert am 25. November stecken und mit den vielen Projekten kaum noch hinterherkommen. Dazu kommt noch, dass das Thema dieses Blogeintrags sehr heikel ist und ich lange \u00fcberlegen musste, wie ich meine Wahrnehmung beschreiben kann, ohne ein Bild oder eine Meinung zu bilden. Es ist mir nicht gelungen g\u00e4nzlich auf Kritik oder meine Einstellung zu verschiedenen Themen zu verzichten und so ist es mir wichtig, dass meine Leser sich meiner subjektiven Wahrnehmung bewusst sind. Ein anderer Freiwilliger oder jemand der nach Ghana kommt k\u00f6nnte das vollkommen anders wahrnehmen als ich.<\/p>\n<p>Erstmal ein kurzes Update zu dem Alltag im Odehe Center. Wir haben heute seit genau einer Woche kein flie\u00dfendes Wasser mehr. Bis vorgestern hatten wir noch die M\u00f6glichkeit Wasser aus dem Brunnen gegen\u00fcber zu sch\u00f6pfen, aber seit gestern ist auch diese Quelle versiegt. Ich glaube, ich war noch nie so sparsam mit dem Wasser wie jetzt. Beim Geschirr absp\u00fclen, Kochen, Toilette sp\u00fclen, Z\u00e4hne putzen, Duschen und H\u00e4nde, wie auch W\u00e4sche waschen mussten wir extrem zur\u00fcckschrauben (bis auf das Z\u00e4hneputzen vielleicht). W\u00e4sche haben wir seither nicht gewaschen und die Toilette benutzen wir nur noch im Notfall, da das Sp\u00fclwasser einfach knapp ist. Wir duschen bei Freunden aus der Nachbarschaft und gehen da zur Toilette, wo wir arbeiten, denn nur so bleibt unser Bad hier in Teshie hygienisch. Zudem f\u00e4llt der Strom einfach ab und zu aus und die Sp\u00fclung unserer Toilette geht schon seit einer Weile nicht mehr. Seit kurzem gibt der Lichtschalter im Bad jedem Besucher einen h\u00fcbschen Stromschlag, damit man auch wieder hell wach ist, wenn man nachts das Klo besucht hat. Daf\u00fcr brauchen wir uns in unserem Schlafzimmer keine Gedanken \u00fcber den Lichtschalter zu machen, denn dort funktioniert das Licht gar nicht mehr ? Es ist ein kleines Abenteuer, aber das geh\u00f6rt nun mal dazu. Jetzt aber zur\u00fcck zum eigentlichen Thema dieses Blogeintrags.<\/p>\n<p>Wie schon erw\u00e4hnt sind die Ghanaer sehr gl\u00e4ubige Menschen. Neben den traditionellen Religionen und weniger bekannten Glaubensrichtungen sind hier vorrangig Muslime und Christen, Protestantische, wie auch Katholische vertreten. F\u00fcr die Ghanaer ist es unheimlich wichtig, irgendeine Art des Glaubens zu besitzen und dabei ist es v\u00f6llig egal welche das sein mag. Ihnen ist es unklar, wie ein Mensch keinerlei Glauben besitzen kann und bekennt man sich \u00f6ffentlich zum Atheismus, muss man mit Unverst\u00e4ndnis von ghanaischer Seite rechnen (Quelle: Wikipedia). Ich selbst habe damit, da ich eine Form des Glaubens besitze, keine Probleme, aber andere Freiwillige mussten sich schon dreimal \u00fcberlegen, nicht der Einfachheit halber einen Glauben zu erfinden. Interessanter Weise ist der Respekt, den sich die unterschiedlichen Religionen und Glaubensrichtungen entgegenbringen sehr hoch und somit besteht eine gesunde Basis des miteinander Lebens trotz eines unterschiedlichen Glaubens. Es kommt schon mal vor, dass ein \u00fcberzeugter Glaubender uns erz\u00e4hlt, dass wir nur erl\u00f6st werden, wenn wir jeden Tag zu Jesus beten, aber im Regelfall lassen einen die Menschen in Ruhe, wenn man sich zu dem einen oder anderen Glauben bekennt.<\/p>\n<p>Wie in Deutschland gibt es auch hier jeden Sonntag Gottesdienste, die vermutlich von allen Christen hier in Ghana besucht werden. So scheint es zumindest, wenn man auf der einen Seite die Intensit\u00e4t ihres Glaubens und auf der anderen Seite die ganzen Werbeplakate f\u00fcr diverse Gottesdienste, Wunderheilungen oder auch Kirchengemeinden sieht. Bisher habe ich nur den Gottesdienst im Kinder Paradise miterlebt, aber selbst dort gehen alle total ab, wenn es ans \u201eWorshipping\u201c geht. Ich habe es in meinem vorletzten Blog \u00fcber das Kinder Paradise schon anklingen lassen, aber ich kann nicht oft genug betonen, was f\u00fcr eine Party da steigt, wenn alle singen und dazu noch getrommelt wird. Am Anfang des Gottesdienstes ist es noch etwas ruhiger und es werden ein bis zwei Lieder im Sitzen gesungen. Irgendwann bittet dann der Sprecher die Singgruppe nach vorne auf die B\u00fchne und alle stehen auf, um sich zur Musik bewegen zu k\u00f6nnen. W\u00e4hrend die Gruppe vorne singt und einzelne Hausm\u00fctter oder auch Lehrer mit Mikro irgendwelche Improvisationen zum Besten geben, schaukelt sich die Stimmung immer weiter hoch, bis schlussendlich alle lauthals singend und tanzend mit den Liedern mitgehen und kaum mehr zu bremsen sind. Es ist schon eine Herausforderung, sich nicht mitrei\u00dfen zu lassen und einfach stocksteif dazustehen. Nach k\u00fcrzester Zeit f\u00fchlt man sich n\u00e4mlich unwohl, weil man extrem auff\u00e4llt, wenn man sich nicht bewegt. Also klatsche ich immer fr\u00f6hlich mit, tanze ein bisschen auf der Stelle und singe die Teile der Lieder, die ich schon so oft geh\u00f6rt habe, dass ich sie auch schon kann mit. Dabei kann ich meist gar nicht aufh\u00f6ren zu l\u00e4cheln, weil ich es jedes Mal so unglaublich faszinierend und erf\u00fcllend finde, wie gl\u00fccklich das Singen die Kinder und Hausm\u00fctter macht. Anfangs war mir das Ganze sehr suspekt. So extrem gl\u00e4ubige Menschen, die eine Stunde lang Lieder \u00fcber ihre Liebe zu Gott und Jesus und ihre Dankbarkeit singen, dabei ist es eigentlich sch\u00f6n, dass die Menschen hier einen so unersch\u00fctterlichen Glauben haben. Wer in Deutschland so gl\u00e4ubig ist, wird h\u00e4ufig mit Skepsis und kritischen Fragen \u00fcbersch\u00fcttet und hier ist es einfach genau andersherum. Ich denke, dass die Menschen, gerade weil sie so viel Energie aus ihrem Glauben sch\u00f6pfen nicht verstehen k\u00f6nnen, weshalb es auch Menschen gibt, die das Konzept einer Religion komplett ablehnen.<\/p>\n<p>Nicht nur das Singen im Gottesdienst ist anders als in Deutschland, sondern auch die Predigten unterscheiden sich sehr in ihrer Vortragsweise und vor allem in ihrer L\u00e4nge. Wie schon gesagt, der Gottesdienst dauert normalerweise 2 Stunden. Davon wird eine Stunde lang gesungen und getanzt und die andere Stunde wird gepredigt. In Deutschland beschweren sich viele ja schon, wenn die Predigt mal l\u00e4nger dauert als 15 Minuten. Es gab hier schon eine Predigerin, die unglaublich in ihr Mikrofon gebr\u00fcllt hat und auf und ab gegangen ist, und mich sogar vor versammelter Mannschaft gefragt hat, ob ich mich denn schon mit Jesus auseinandergesetzt h\u00e4tte. Es gibt aber auch ganz andere Predigten. Zum Beispiel hat einmal jemand aus der Leitung des Kinder Paradises eine Predigt \u00fcber Fehler des Menschen gehalten und regelrecht dazu aufgerufen, konstruktive Kritik an die Hausm\u00fctter und auch die Leitung des Kinder Paradises zu bringen, wenn etwas nicht gut funktioniert. Diese Predigt war sehr interessant und ich war angenehm \u00fcberrascht, dass die Kinder gebeten wurden Kritik zu \u00fcben, um eine Besserung zu erzielen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich so einen Aufruf hier, wo die \u00c4lteren eigentlich immer Recht behalten, nicht erwartet h\u00e4tte. Aber so kann man sich irren.<\/p>\n<p>Nicht nur im Gottesdienst, sondern auch im Alltag ist die Religion sehr wichtig. Die Muslime beten hier ebenfalls mehrmals am Tag nach Mekka und es wird immer vor dem Essen ein kleines Dankgebet gesprochen. Solche Rituale sind mir auch in Deutschland schon h\u00e4ufig begegnet und auch wir als Familie haben eine Zeit lang vor jeder gemeinsamen Mahlzeit ein Gebet gesprochen. In Deutschland weist vielleicht eines aus 20 Autos das Symbol der Christen zur Zeit der Christenverfolgung, den ICHTHYS (=Fisch), als Aufkleber irgendwo am Auto auf, aber hier ist beinahe jedes TroTro und jedes Taxi mit Aufklebern und verschiedensten Spr\u00fcchen beklebt. Neben \u201eHand of God\u201c oder \u201eJesus our Savior\u201c gibt es unz\u00e4hlige weitere Texte oder auch Zitate aus der Bibel, die auf den Heckscheiben der Fahrzeuge pranken. Neben einem solchen Zitat ist oft noch ein Aufkleber zu finden, der den leidenden Jesus abbildet und erneut mit einem Spruch untertitelt ist. Ebenso verh\u00e4lt es sich mit den L\u00e4den am Stra\u00dfenrand, denn auch diese haben Namen wie \u201eGod\u00b4s way local food\u201c und verdeutlichen die tiefe Verbundenheit der Ghanaer zu ihrem jeweiligen Gott.<\/p>\n<p>Wenn ich mir eine Predigt anh\u00f6ren m\u00f6chte, w\u00fcrde ich in Deutschland entweder bis zum n\u00e4chsten Sonntag warten, oder im Internet nach etwas Brauchbarem googlen. Das ist hier aber wirklich nicht notwendig, da immer mal wieder ein Prediger in demselben TroTro sitzt und lautstark anf\u00e4ngt von Gott und Jesus zu reden. Das ist f\u00fcr mein Gef\u00fchl eher st\u00f6rend, als angenehm, aber das liegt auch daran, dass ich bei den TroTro \u2013 Fahrten gerne in Ruhe nachdenke, oder etwas lese. Das gestaltet sich mit einem Prediger im TroTro etwas schwer. Die anderen Insassen machen unter Umst\u00e4nden sogar noch mit und unterst\u00fctzen den Prediger zwischendrin mit einem \u201eAMEN!\u201c oder einem \u201eHALLELUJA!\u201c. Das kenne ich auch schon aus dem Kinder Paradise. Wenn der Sprecher oder Prediger \u201eAMEN\u201c ruft, dann antworten alle \u201eAMEN\u201c. Ebenfalls mit \u201eAMEN\u201c wird geantwortet, wenn der Prediger \u201eHALLELUJA\u201c ruft. \u201eHALLELUJA\u201c wird von der Gemeinde nur geantwortet wenn der Prediger \u201ePRAISE THE LORD\u201c gerufen hat. Hier nochmal die Kurzform:<\/p>\n<p>\u201ePRAISE THE LORD\u201c \u2013 \u201eHALLELUJA\u201c<\/p>\n<p>\u201eHALLELUJA\u201c \u2013 \u201eAMEN\u201c<\/p>\n<p>\u201eAMEN\u201c \u2013 \u201eAMEN\u201c<\/p>\n<p>Dasselbe gilt auch im TroTro. Die motivierten Insassen unterst\u00fctzen den Prediger und wenn diesem die Antwort des call-and-respond nicht laut genug ist, wiederholt er seinen Ausruf einfach nochmal. Ich muss zugeben, dass ich immer ganz froh war, wenn die entsprechenden Prediger ausgestiegen sind, denn dann konnte ich endlich wieder meinen Gedanken freien Lauf lassen.<\/p>\n<p>Schlussendlich kann ich eigentlich nur sagen, dass ich gewisse Punkte an dem Glauben der Menschen hier zwar nicht nachvollziehen kann (was ich ja auch nicht muss), ich die Menschen aber trotz allem f\u00fcr ihre tiefe Verbundenheit in einen Gott, ob jetzt Allah, Yahwe oder eine ganz andere Gottheit, bewundere. Ein so unersch\u00fctterliches Vertrauen in etwas so ungreifbares, wie einen Gott habe ich noch nie erfahren k\u00f6nnen und finde es einfach erstaunlich und faszinierend. Ich denke besonders zu dem menschlichen Miteinander und dem br\u00fcderlichen Umgang, den wir auch erfahren d\u00fcrfen, tr\u00e4gt der Glaube an ihren Gott grundlegend bei. Die N\u00e4chstenliebe und der Respekt vor einander und vor allem vor anderen Religionen macht in meinen Augen viel in Bezug auf die Atmosph\u00e4re und das Wohlbefinden jedes einzelnen Menschen hier aus. Ich m\u00f6chte nicht wissen, was hier los w\u00e4re, wenn die Muslime und die Christen pl\u00f6tzlich der Meinung w\u00e4ren, sich gegenseitig den eigenen Glauben aufzwingen zu m\u00fcssen. Was das angeht k\u00f6nnen wir, denke ich, noch einiges von den Ghanaern (zumindest denen in Accra) lernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es tut mir leid, dass sich meine Blogeintr\u00e4ge immer mehr versp\u00e4ten. Gleichzeitig ist es so, dass wir hier gerade mitten in den Vorbereitungen f\u00fcr unser Konzert am 25. November stecken und mit den vielen Projekten kaum noch hinterherkommen. 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