{"id":584,"date":"2017-10-20T21:01:21","date_gmt":"2017-10-20T19:01:21","guid":{"rendered":"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/?p=584"},"modified":"2017-12-30T17:11:58","modified_gmt":"2017-12-30T16:11:58","slug":"die-wochenenden-im-kinder-paradise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/gb\/die-wochenenden-im-kinder-paradise\/","title":{"rendered":"Die Wochenenden im Kinder Paradise"},"content":{"rendered":"<p>Es tut mir wirklich sehr leid, aber unser WLAN ist einfach momentan f\u00fcr nichts zu gebrauchen. Wir sind zwar schon mit den entsprechenden Menschen in Kontakt, aber es kann sein, dass es noch eine Weile dauert bis wir wieder richtiges Internet haben. Ich versuche einfach in Zukunft \u00fcber den Hotspot mit meinem Handy zu bloggen und hoffe, dass das funktioniert. Bilder konnte ich deshalb leider dieses Mal nicht hochladen, aber die kommen dann noch nachtr\u00e4glich. Jetzt aber zur Tagesordnung.<\/p>\n<p>So langsam kehrt eine Routine in den Alltag bei uns ein. Am Samstag ist Maria, die letzte Volont\u00e4rin, die schon ihre drei Monate hinter sich hatte abgereist und Constantin, als letzter Neuer, ist sicher in Accra gelandet. Wir versuchen so gut es geht den vorgeschlagenen Stundenplan unseres Projektleiters einzuhalten und haben uns dementsprechend in zwei dreier Gruppen aufgeteilt. Da jedes Instrument (Violine, Cello und Querfl\u00f6te) doppelt besetzt ist, bietet sich eine solche Einteilung nat\u00fcrlich an.<\/p>\n<p>Neben den schon erw\u00e4hnten Schulen in Nima, der Bethany und der AMIS Schule, haben wir bisher noch in dem bereits erw\u00e4hnten Kinder Paradise unterrichtet. Immer als dreier Gruppe reisen wir, eine Gruppe von Dienstag auf Mittwoch und die andere von Samstag auf Sonntag bzw in meinem Fall bis Montag, zwei Stunden per TroTro nach Prampram. Die Fahrt ist eigentlich sehr entspannend. Jeder h\u00e4ngt so seinen Gedanken nach, sieht aus dem Fenster, h\u00f6rt Musik oder unterh\u00e4lt sich entspannt. Der einzige Nachteil ist, dass ich f\u00fcr das Wochenende immer meine Geige, wie nat\u00fcrlich auch Kleidung, Duschsachen, Bettw\u00e4sche und Handt\u00fccher mitnehmen muss. Meine Reisetasche ist immer gut gef\u00fcllt und ich bin dementsprechend gut beladen, wenn es nach Prampram geht. Sitzt man mal im TroTro ist es, solang man nicht jemanden rauslassen muss, sehr angenehm, Auf dem Weg gibt es einen Zwischenstopp, bei dem wir in ein anderes TroTro wechseln m\u00fcssen. In Ashaiman gibt es n\u00e4mlich einen gro\u00dfen TroTro-Halteplatz, wo neben TroTro-Fahrern, die Mittagspause machen auch regelm\u00e4\u00dfig TroTros in alle Richtungen abfahren und von \u00fcberall her ankommen. Dort wechseln wir dann immer von dem TroTro Richtung Ashaiman zu dem TroTro Richtung Ningu, dass ziemlich direkt an dem Kinder Paradise vorbei f\u00e4hrt. Die TroTro-Haltestelle in Ashaiman ist jedes Mal interessant. Nicht nur, dass es dort so ziemlich alles aus dem TroTro heraus zu kaufen gibt nein, auch muss man sich jedes Mal zu dem gew\u00fcnschten TroTro durchfragen. Es kann dann schon mal sein, dass man kreuz und quer \u00fcber den Platz l\u00e4uft und dauernd nach dem gesuchten Gef\u00e4hrt fragen muss. Hat man es dann gefunden, kann man es sich (soweit m\u00f6glich) bequem machen und warten, bis das TroTro g\u00e4nzlich gef\u00fcllt ist. Die TroTros an den gro\u00dfe Knotenpunkten bzw Endhaltestellen wie Ashaiman, Third-Seven und Kaneshie fahren erst los, wenn alle Pl\u00e4tze belegt sind. Da Ashaiman aber immer voller Menschen ist, f\u00fcllt sich so ein TroTro doch ziemlich z\u00fcgig und es dauert keine 15 Minuten, bis man sich auf dem Weg nach Ningu befindet.<\/p>\n<p>An der TroTro Station \u201eBible School\u201c m\u00fcssen wir dann aussteigen und besorgen uns direkt im Anschluss 15 Liter von dem hier trinkbaren \u201ePure Water\u201c, das in jeweils 500 ml Portionen in Plastikt\u00fcten verschwei\u00dft ist. Dasselbe Wasser besorgen wir uns auch immer in Teshie, da das Leitungswasser logischerweise tabu f\u00fcr uns ist. Mit nochmal 15 Kg mehr Gep\u00e4ck laufen wir dann den kurzen Sandweg zum Tor des Kinder Paradises hoch und betreten das komplett umz\u00e4unte Gel\u00e4nde. Meist begr\u00fc\u00dft uns der Torw\u00e4rter, wenn er nicht gerade seinen Mittagschlaf h\u00e4lt. Unser erster Anlaufpunkt ist immer das Office, das rechts vom Eingang liegt, um die Heimleitung, die Leiterin des Kinder Paradises (die meist nicht vor Ort ist) oder andere Mitarbeiter \u00fcber unsere Ankunft zu informieren. Auch ben\u00f6tigen wir die Schl\u00fcssel f\u00fcr unsere Schlafr\u00e4ume und die Klassenzimmer, in denen wir unseren Instrumentalunterricht abhalten. Treffen wir im Office niemanden an, machen wir uns auf die Suche nach einer der Hausm\u00fctter oder nach jemandem aus dem Office. Meist sitzen Bro Eric, der derzeit der Heimleiter ist, oder einige der Ma`s auf dem Gel\u00e4nde bei den spielenden Kindern, oder halten sich in der gro\u00dfen Halle auf. Bisher mussten wir nie lang nach jemandem mit dem Zugang zu den Schl\u00fcsseln suchen. Haben wir dann alle begr\u00fc\u00dft und unsere Schl\u00fcssel entgegengenommen, k\u00f6nnen wir endlich unsere Zimmer beziehen. Constantin hat als einziger Junge das Privileg, in einem eigenen Zimmer zu schlafen, w\u00e4hrend wir M\u00e4dchen immer zusammen in einem Zimmer sind. Allerdings k\u00f6nnen wir uns echt nicht beschweren. Da noch drei weitere Frauen aus \u00d6sterreich derzeit im Kinder Paradise Freiwilligendienst leisten, ist das Obergeschoss (das f\u00fcr die Frauen vorgesehen ist) immer voll. Wir von MOG bekommen demnach momentan die G\u00e4stewohnung, die sich in demselben Haus befindet, aber ein eigenes Bad und eine eigene K\u00fcche besitzt. Die anderen Bewohner des Hauses, das nebenbei bemerkt \u201eJerusalem\u201c hei\u00dft, m\u00fcssen sich pro Etage eine K\u00fcche, zwei Duschen und zwei Toiletten teilen. Insgesamt ist es f\u00fcr uns tats\u00e4chlich sehr komfortabel, auch wenn wir die K\u00fcche eigentlich nie in Gebrauch haben und die Dusche, wenn sie denn mal funktioniert, einen eher an tr\u00f6pfelt, als richtig abzuduschen.<\/p>\n<p>Meist haben wir noch ein wenig Zeit, um unsere Betten zu beziehen und uns kurz auszuruhen, bis die Glocke zum Mittagessen gel\u00e4utet wird. Darunter darf man sich keine richtige Glocke vorstellen, sondern eher zwei metallene Becher, die gegeneinandergeschlagen werden und so die n\u00e4chste Mahlzeit ank\u00fcndigen. Leider bekommen wir dieses Signal oft nicht mit, da das Jerusalem doch etwas abseits auf dem Campus liegt. Demnach haben wir eigentlich immer die Uhr im Blick, um auch ja nicht das Essen zu verpassen. Samstag mittags gib es so gut wie immer Kenkey zu essen. Das ist \u00e4hnlich wie Banku, allerdings noch etwas s\u00e4uerlicher und wird mit einem Peppedip und einem St\u00fcck Fisch serviert. Das Peppe ist sehr scharf und besteht aus zermalmten Tomaten, Chilli \u00e4hnlichen Schoten und diversen Gew\u00fcrzen. Darin wird das mit der Hand abgetrennte Kenkey eingetunkt und danach gegessen. Erstaunlicherweise gew\u00f6hne ich mich hier sehr gut an die Sch\u00e4rfe und freue mich sogar manchmal echt, wenn es wieder was Scharfes zum Essen gibt. Der Fisch zu dem Kenkey ist oftmals trocken und noch voller Gr\u00e4ten. Da man mit den Fingern die Gr\u00e4ten aber ziemlich gut erf\u00fchlen kann, verschluckt man sich eigentlich nie. Manchmal habe ich Gl\u00fcck und bekomme eine Schwanzflosse, also die untere H\u00e4lfe des Fisches, und manchmal muss ich mir die M\u00fche machen, irgendwie das bisschen Fleisch am Kopf des Fisches zu entfernen. Klingt nicht so spa\u00dfig, ist es auch meist nicht. Nur die Flosse auseinander zu nehmen ist meiner Meinung nach n\u00e4mlich deutlich angenehmer, als dem toten Tier direkt in die Augen zu sehen.<\/p>\n<p>Gegessen wird immer in der gro\u00dfen Halle mit allen zusammen. Die Hausm\u00fctter und wir Freiwilligen sitzen an den Kopfenden der l\u00e4ngeren Tische, w\u00e4hrend die Kinder an der Seite auf den B\u00e4nken platznehmen. Die Hausm\u00fctter, wie auch wir Freiwilligen haben einen gesonderten Status und holen uns unser Essen direkt aus der K\u00fcche. Vor dem Essen stehen alle auf und m\u00fcssen die Augen zum Gebet schlie\u00dfen. Jedes Mal betet ein anderes der Kinder, w\u00e4hrend die Seniors, also die \u00e4lteren Heimkinder darauf achtgeben, dass auch wirklich alle Augen geschlossen sind. Kaum hat die ganze Halle das Wort \u201eAmen\u201c ausgesprochen, darf gegessen werden. W\u00e4hrend des Essens wird nicht geredet und wenn, dann sehr leise. Haben alle aufgegessen, oder zumindest der Gro\u00dfteil der Kinder, dann stehen wieder alle auf, es wird erneut gebetet und mit dem \u201eAmen\u201c r\u00e4umen alle ihre Pl\u00e4tze und bringen ihr Geschirr weg. Oftmals sind wir Freiwilligen noch nicht fertig, da die Kids echt z\u00fcgig essen, und deshalb setzen wir uns dann noch raus, um unsere Mahlzeit in Ruhe zu beenden. Die Kinder nehmen einem, nachdem man fertig gegessen hat, immer die Sch\u00fcsseln aus der Hand und sp\u00fclen sie f\u00fcr einen. Selbst wenn man sagt, dass man es selbst absp\u00fclen m\u00f6chte, lassen sie einen Arbeit nur ungern verrichten. Noch w\u00e4hrend alle am Absp\u00fclen sind suchen wir uns dann unsere Sch\u00fcler zusammen bzw einen Sch\u00fcler oder eine Sch\u00fclerin, mit dem\/der wir nach dem Essen mit dem Unterricht anfangen k\u00f6nnen. Meistens muss man sie sich sofort schnappen und mitnehmen, da es sonst sein kann, dass die Kids einfach nicht mehr auftauchen.<\/p>\n<p>Hat man dann mal einen Sch\u00fcler erwischt, l\u00e4uft es meist sehr gut. Wir holen die Instrumente, Notenst\u00e4nder und Noten aus dem Instrumentenraum und laufen gemeinsam zu den Klassenr\u00e4umen. Da jeder von uns Freiwilligen einen eigenen Raumschl\u00fcssel bekommt, k\u00f6nnen wir jeden einzelnen Sch\u00fcler in Ruhe unterrichten. Vor allem haben wir so die M\u00f6glichkeit andere, die hereinkommen und st\u00f6ren, problemlos rauswerfen oder sagen, sie sollen leise sein. Je nach Sch\u00fcler unterrichte ich zwischen 30 und 60 Minuten und mit Kanfu manchmal auch l\u00e4nger. Derzeit habe ich zwei Sch\u00fcler und zwei Sch\u00fclerinnen, die ich samstags immer unterrichte. Da Clara ebenfalls Geige unterrichte, \u00fcbernimmt sie unter der Woche die restlichen drei Sch\u00fcler. Es ist schon ein paar Mal vorgekommen, dass ich mit einem Unterricht fertig war und den jeweiligen Sch\u00fcler losgeschickt habe, einen anderen Sch\u00fcler zu holen und der einfach eine Stunde lang nicht aufgetaucht ist. In der Wartezeit habe ich zwar effektiv Geige ge\u00fcbt, aber ich sollte ja eigentlich unterrichten und nicht meinen Kram \u00fcben ? \u00a0Deshalb bin ich mittlerweile dazu \u00fcbergegangen, mich einfach gleich selbst auf die Suche nach meinen Sch\u00fclern zu begeben. So hat man die Gewissheit, dass man nicht ewig warten muss und alle Sch\u00fcler an einem Nachmittag abhaken kann.<\/p>\n<p>Nach dem Unterricht gibt es meist auch schon wieder Abendessen. Da die Kids sehr fr\u00fch aufstehen m\u00fcssen, auch am Wochenende, bekommen alle schon um 17:30 Uhr etwas zu essen. Vor allem samstags freuen wir uns sehr auf das Abendessen, da es Spaghetti mit einer scharfen Tomatenso\u00dfe gibt. Das schmeckt wirklich sehr lecker und ist eine sch\u00f6ne Abwechslung zu dem ghanaischen Essen. Manchmal setzen wir uns zum Essen auch nach drau\u00dfen, da es genug Ma\u00b4s gibt, die in der gro\u00dfen Halle f\u00fcr Ordnung sorgen. Oftmals haben wir nach dem Abendbrot noch Zeit, bis wir in unsere jeweiligen H\u00e4user gehen m\u00fcssen, um den Ma\u00b4s bei den allabendlichen Bettgehritualen etwas unter die Arme zu greifen oder noch ein wenig mit den Kindern zu spielen. Nach einer kurzen Pause in unserer Wohnung machen wir uns dann auf den Weg in unsere H\u00e4user. Davon gibt es drei im Kinder Paradise: das Haus eins beherbergt ausschlie\u00dflich Jungs, sowie auch das Haus drei. Das Haus zwei hingegen ist das einzige M\u00e4dchenhaus. Ich bin f\u00fcr das Haus drei eingeteilt worden, Consti f\u00fcr das Haus eins und Annika f\u00fcr das Haus zwei. Interessanter Weise d\u00fcrfen Frauen als universeller Mutterersatz auch in Jungs H\u00e4usern sein (ehrlich gesagt gibt es gar keine m\u00e4nnlichen Betreuer in den H\u00e4usern), aber M\u00e4nner hingegen nicht in dem M\u00e4dchenhaus arbeiten.<\/p>\n<p>Die Jungs in meinem Haus sind alle voll lieb und auch mit den Hausm\u00fcttern und der \u00d6sterreicherin komme ich super klar. Meistens muss ich gar nicht viel machen, h\u00f6chstens mal die Zahnpasta auf die Zahnb\u00fcrsten streichen. Ansonsten sitze ich einfach dort rum, rede mit den Hausma\u00b4s und warte, bis wir alle zur Devotion in den Gemeinschaftsraum gehen.<\/p>\n<p>Die Devotion ist ein all abendliches und all morgendliches gemeinsames Singen und Beten, das in den jeweiligen H\u00e4usern abgehalten wird. Es dauert im Regelfall nicht l\u00e4nger als 10 Minuten und erst wird gesungen und geklatscht und Jesus angepriesen, danach beten verschiedene Kinder, bis am Ende alle gemeinsam das Vater Unser auf Englisch sprechen. Generell wird hier der Glaube wirklich gro\u00df geschrieben, nicht nur in Kinder Paradise, sondern auch in Ghana generell. Dazu kommt aber noch ein gesonderter Blogeintrag, da das ein Thema f\u00fcr sich ist ?<\/p>\n<p>Im Kinder Paradise ist das Erscheinen zu den Devotions und dem sonnt\u00e4glichen Gottesdienst f\u00fcr ausschlie\u00dflich alle Heimkinder Pflicht. Wer sich dieser Regel wiedersetzt kann bestraft werden (wenn auch nicht mit Schl\u00e4gen, da den Lehrern und Hausm\u00fcttern solche Bestrafungen von der deutschen Leiterin verboten worden sind). Diese Regeln muss man allerdings in Relation zu der Kultur hier sehen. Die Ghanaer sind sehr gl\u00e4ubige Menschen und t\u00e4gliches Beten und der sonnt\u00e4gliche Gottesdienst werden nicht nur im Kinder Paradise, sondern allgemein in der Gesellschaft vorausgesetzt. Die Menschen hier haben dadurch einen Zufluchtsort und die Gemeinschaft schwei\u00dft auch in schwierigen Situationen zusammen und macht die einzelnen Menschen wieder stark. So ist es jedenfalls zu erkl\u00e4ren, warum im Kinder Paradise so viel Wert auf die Anwesenheit der Sch\u00fcler beim Gottesdienst gelegt wird.<\/p>\n<p>Man muss schon auch sagen, dass hier der Gottesdienst erstens mit Nichten so kurz ist, wie ein durchschnittlicher Gottesdienst in Deutschland, aber zweitens daf\u00fcr auch ansprechender gestaltet wird. Zun\u00e4chst ist eine h\u00fcbsche Bekleidung f\u00fcr den sogenannten \u201eService\u201c sehr wichtig. Alle Kinder und Ma\u00b4s machen sich f\u00fcr den Gottesdienst schick und man kann sich kaum satt sehen an all den tollen Stoffen und Mustern, aus denen die Kleider, R\u00f6cke und T-Shirts gen\u00e4ht sind. Sobald alle anwesend sind, kann es losgehen. Es wird immer eine Stunde gesungen, geklatscht, getrommelt und getanzt, bevor \u00fcberhaupt die Predigt losgeht. Diese wiederum dauert ebenfalls eine Stunde an. Manchmal singen auch einzelne ein Lied und die anderen steigen mit ein. Eigentlich kommt irgendwann immer der Punkt, an dem alle singen und wie wild rumh\u00fcpfen, einfach weil die Musik und das Singen eine befreiende Wirkung hat ? Das ist total faszinierend und man kann sich leicht davon mitrei\u00dfen lassen. Direkt im Anschluss an das Singen wird gepredigt und die predigende Person wechselt (zumindest bisher) jede Woche. Die Art zu predigen unterscheidet sich stark von Prediger zu Prediger. Manche br\u00fcllen rum und andere sind ganz ruhig und wieder andere integrieren die \u201eGemeinde\u201c. Alles in allem ist es ein echtes Spektakel und wird nie langweilig, Nach der Predigt ist der Gottesdienst zu Ende und die Kinder ziehen sich wieder ihre Alltagskleidung an.<\/p>\n<p>Da die Predigten eigentlich immer bis 12:00 oder l\u00e4nger andauern, gibt es ziemlich unmittelbar nach dem Gottesdienst schon das Mittagessen, wie jeden Sonntag Reis mit Tomatenso\u00dfe und H\u00fchnchen. Auch dieses Essen ist sehr lecker und ich kann kaum genug davon bekommen \u2764 Manchmal unterrichten wir auch nach dem Mittagessen noch ein paar Kinder bzw holen den Unterricht nach, der am Vortag zeitlich nicht mehr m\u00f6glich war. Haben wir keinen Unterricht mehr nachzuholen, k\u00f6nnen wir uns den restlichen Tag entspannen und einfach nichts tun. Leider ist das noch nicht allzu oft vorgekommen, da entweder, wie schon beschrieben, die Kinder nicht aufgetaucht sind, oder der Samstag mit Aktivit\u00e4ten belegt war, von denen wir nichts wussten. So hatten alle Heimkinder den einen Samstag von 8:00 morgens bis 18:00 abends irgendein Bible-Study Programm und wir konnten keinen einzigen Sch\u00fcler unterrichten. Oder das letzte Wochenende, als die Jungs ein Fu\u00dfballspiel gegen eine andere Schule hatten und alle dem Spiel beiwohnen wollten. Man muss hier einfach lernen spontan aus einem freien Tag etwas zu machen. So haben wir letztes Wochenende einfach in unserer Wohnung gegammelt, Lena hat mir noch eine Dreadlock gemacht und wir haben den ganzen Nachmittag gequatscht. Im Falle, dass wir sonntags noch unterrichten l\u00e4uft es meist so ab, wie Samstags auch und auch hier ist wieder das Abendessen unsere Deadline f\u00fcr den Unterricht. Annika f\u00e4hrt Sonntag nachmittags dann immer schon ab, da sie montags woanders unterrichten muss und nur Consti und ich den Klassenunterricht im Kinder Paradise leiten. Oft sitzen wir Sonntag abends dann noch zusammen in dem Gemeinschaftsraum im Jerusalem und reden mit den anderen Freiwilligen, essen noch ein paar Fr\u00fcchte oder trinken noch einen Kaffee.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen geht es f\u00fcr die \u00d6sterreicherinnen und vor allem f\u00fcr die Kinder richtig fr\u00fch los. Um 4:30 Uhr werden die Kinder geweckt und haben bis zum Fr\u00fchst\u00fcck um 6:30 Uhr noch diverse Aufgaben zu erledigen. Wir anderen stehen meist nicht einmal zum Fr\u00fchst\u00fcck auf, sondern holen uns um 8:00 Uhr nachtr\u00e4glich etwas aus der K\u00fcche. Um 9:30 Uhr beginnt dann unser erster Unterricht im Kindergarten 1. Bis zur kleinen Pause um 10:00 Uhr unterrichten wir demnach nur noch eine Klasse neben dem Kindergarten und zwar die Klasse P1. Nach einer halben Stunde Pause kommt noch der zweite Kindergarten an die Reihe und die P2 Klasse unterrichten wir immer erst nach dem Mittagessen. Da die Sch\u00fcler in den Klassen unterschiedlicher Altersstufen sind, gestalten wir den Unterricht entsprechend unterschiedlich. Mit den Kinderg\u00e4rten bleiben wir erstmal beim Lieder singen, Rhythmen klatschen und Musik h\u00f6ren, da sie einfach noch zu klein sind, um richtig Musiktheorie zu lernen. Die P1 und die P2 hingegen sind relativ fix, was das Lernen von Notenwerten und verschiedenen Rhythmen angeht. Es w\u00e4re ja auch irgendwann echt langweilig mit jeder Klasse dasselbe zu machen ? Nach dem Mittagessen und der letzten Unterrichtsstunde packen wir dann unsere Sachen, ich r\u00e4ume die Wohnung wieder auf und fege nochmal durch, damit die anderen am Dienstag ein sauberes Zimmer vorfinden. Gemeinsam machen wir uns dann auf den Weg ins Office um unsere Schl\u00fcssel wieder abzugeben und uns zu verabschieden. Nach dem offiziellen Verabschiedungsprozedere tragen wir uns noch in das Anwesenheitsbuch ein (mit An- und Abreisedatum sowie die dazugeh\u00f6rige Uhrzeit) und machen uns wieder auf den Weg zur TroTro Station.<\/p>\n<p>Das Kinder Paradise ist wirklich sehr sch\u00f6n gestaltet. Den Sch\u00fclern steht ein gro\u00dfer Fu\u00dfballplatz zum Trainieren und sich austoben zur Verf\u00fcgung und neben einem Volleyball- und Basketballfeld stehen unheimlich viele bunt bemalte Kletterger\u00fcste und Rutschen auf dem Gel\u00e4nde. Der Campus ist einige Minuten von Prampram entfernt und liegt somit in einer sehr ruhigen Umgebung. Damit f\u00fcgt sich das famili\u00e4re Klima sehr gut in das Umfeld um das Waisenhaus ein. Wenn man vor Ort ist gewinnt man den Eindruck einer gro\u00dfen Familie, die miteinander lebt und voneinander lernt. Bis auf einige Ausnahmen leben die Kinder und Hausm\u00fctter sehr harmonisch zusammen und Makel wie eine k\u00f6rperliche Einschr\u00e4nkung oder eine Lese-Rechtschreib-Schw\u00e4che fallen grunds\u00e4tzlich nicht ins Gewicht. Vor allem Bro Eric legt gro\u00dfen Wert auf eine offene und konstruktive Kommunikation zwischen den Heimkindern und den Hausm\u00fcttern sowie ihm als Heimleiter. Trotz der langen An- und Abreise bin ich sehr gerne im Kinder Paradise. Der Grund ist schlicht, dass man seinen eigenen Sch\u00fclern viel n\u00e4herkommt und gleich eine viel engere Bindung aufbauen kann, da man zusammenlebt, isst und arbeitet. Solche Aktivit\u00e4ten verbinden und erleichtern es, sich auf neue Menschen einzulassen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df jetzt schon, dass mir der Abschied von den Menschen, die ich im Kinder Paradise, aber auch in den anderen Schulen bisher kennen gelernt habe, sehr schwer fallen wird. Man l\u00e4sst einfach ein St\u00fcck von sich zur\u00fcck, nimmt aber daf\u00fcr auch etwas von hier mit sich zur\u00fcck nach Hause. Und ich merke zunehmend, wie dankbar ich f\u00fcr diese M\u00f6glichkeit hier bin und f\u00fcr all die Erfahrungen, die mit dieser M\u00f6glichkeit einhergehen. Oder wie meine Mutter mir in dem Zitat des Tages am 29. September geschrieben hat:<\/p>\n<p>\u201eIch bin dankbar, nicht, weil es vorteilhaft ist, sondern weil es Freude macht.\u201c<\/p>\n<p>\u2013 Lucius Annaeus Seneca<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"tiled-gallery type-rectangular\" data-original-width=\"620\" data-carousel-extra=\"{&quot;blog_id&quot;:134859799,&quot;permalink&quot;:&quot;https:\\\/\\\/ghanamusic2017blog.wordpress.com\\\/2017\\\/10\\\/20\\\/die-wochenenden-im-kinder-paradise\\\/&quot;,&quot;likes_blog_id&quot;:134859799}\">\n<div class=\"gallery-row\" data-original-width=\"620\" data-original-height=\"212\">\n<div class=\"gallery-group images-1\" data-original-width=\"303\" data-original-height=\"212\">\n<div class=\"tiled-gallery-item tiled-gallery-item-large\"><a href=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.wordpress.com\/2017\/10\/20\/die-wochenenden-im-kinder-paradise\/img_48221\/#main\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"IMG_4822[1]\" src=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.files.wordpress.com\/2017\/10\/img_48221.jpg?w=299&amp;h=208\" alt=\"IMG_4822[1]\" width=\"299\" height=\"208\" data-attachment-id=\"104\" data-orig-file=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.files.wordpress.com\/2017\/10\/img_48221.jpg\" data-orig-size=\"1280,893\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"IMG_4822[1]\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.files.wordpress.com\/2017\/10\/img_48221.jpg?w=300\" data-large-file=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.files.wordpress.com\/2017\/10\/img_48221.jpg?w=620\" data-original-width=\"299\" data-original-height=\"208\" \/> <\/a><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"gallery-group images-1\" data-original-width=\"317\" data-original-height=\"212\">\n<div class=\"tiled-gallery-item tiled-gallery-item-large\"><a href=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.wordpress.com\/erster-unterricht-und-die-schueler-im-kinder-paradise\/download\/#main\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Download\" src=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.files.wordpress.com\/2017\/10\/download.jpg?w=313&amp;h=208\" alt=\"Download\" width=\"313\" height=\"208\" data-attachment-id=\"91\" data-orig-file=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.files.wordpress.com\/2017\/10\/download.jpg\" data-orig-size=\"275,183\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Download\" data-image-description=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.files.wordpress.com\/2017\/10\/download.jpg?w=275\" data-large-file=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.files.wordpress.com\/2017\/10\/download.jpg?w=275\" data-original-width=\"313\" data-original-height=\"208\" \/> <\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es tut mir wirklich sehr leid, aber unser WLAN ist einfach momentan f\u00fcr nichts zu gebrauchen. 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