{"id":580,"date":"2017-09-28T20:00:25","date_gmt":"2017-09-28T18:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/?p=580"},"modified":"2017-12-30T17:11:37","modified_gmt":"2017-12-30T16:11:37","slug":"trotros-banku-bofrots-und-deutsche-spaetzle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/gb\/trotros-banku-bofrots-und-deutsche-spaetzle\/","title":{"rendered":"TroTros, Banku, Bofrots und deutsche Sp\u00e4tzle"},"content":{"rendered":"<p>Um eine Sache grunds\u00e4tzlich zu kl\u00e4ren, mein Gep\u00e4ck ist wieder da ? Ich konnte letzte Woche am Mittwochnachmittag zum Flughafen fahren und meine Koffer unversehrt und noch vollst\u00e4ndig gepackt mit zu Odehe Center nehmen ?<\/p>\n<p>Meine erste Woche hier war nat\u00fcrlich \u00e4u\u00dferst ereignisreich und alles zu erz\u00e4hlen w\u00fcrde den Rahmen eines Blogeintrags sprengen. Aber ich werde versuchen einen guten \u00dcberblick \u00fcber die Tage seit meiner Ankunft zu geben und vor allem die Eindr\u00fccke, die ich bisher von Ghana bekommen habe, m\u00f6glichst anschaulich zu schildern.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst gab es viel zu organisieren und deshalb konnte ich meinen ersten Instrumentalunterricht erst am Wochenende geben. Dazu werde ich aber nochmal mehr in meinem n\u00e4chsten Blogeintrag schreiben, um meine Leser nicht mit Neuigkeiten zu bombardieren. Ich habe jetzt auch die anderen Freiwilligen gefragt, ob ich sie hier in meinem Blog beim Namen nennen kann und von daher werden meine 4 mysteri\u00f6sen Mitbewohner ab jetzt Judith, Annika, Nikolaj und Maria hei\u00dfen. Nikolaj und Maria reisen diesen Monat noch ab und daf\u00fcr kommen noch drei weitere Freiwillige, die ich dann aber noch vorstellen werde.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Maria, Judith und Annika, bin ich am Dienstag in die AMIS Schule gefahren um dort zu kl\u00e4ren, wann wir Theorieunterricht machen k\u00f6nnten. Die AMIS Schule ist eine von zwei Schulen, die in Nima, einem der schlechteren Stadtviertel, liegt und an der wir einmal die Woche vormittags unterrichten k\u00f6nnen. Die Sch\u00fcler haben zus\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit nachmittags in die Library zu kommen, um Instrumentalunterricht zu erhalten. Neben der AMIS Schule unterrichten wir auch an der Bethany Schule. Da die Bethany noch nicht lang mit Musiker ohne Grenzen zusammenarbeitet, kam bisher weder Schulunterricht, noch Instrumentalunterricht zustande. Auch die Bethany haben wir die Woche besucht und diverses bez\u00fcglich des Unterrichts geregelt. Die Ghanaer brauchen f\u00fcr alles deutlich l\u00e4nger, als man es von den Deutschen gewohnt ist und deshalb rechnen wir damit, erst in zwei bis drei Wochen Instrumentalunterricht geben zu k\u00f6nnen. Der Schulunterricht ist erstmal kein Problem, aber ab dem Moment, wo die Kinder in die Library gebracht werden m\u00fcssen, wird es kompliziert. Zum allgemeinen Verst\u00e4ndnis, die Library ist eine Art Bibliothek in dem Nima-Viertel, wo Studenten in Ruhe arbeiten k\u00f6nnen und mehrere R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr Sprachunterricht, aber auch f\u00fcr unseren Instrumentalunterricht oder Chorstunden zur Verf\u00fcgung stehen. Nachmittags werden die Kinder idealerweise von einem Lehrer zur Library gebracht, sodass wir dort unterrichten k\u00f6nnen. Soweit zu unseren Pflichten.<\/p>\n<p>Aufgrund des wenigen Unterrichts hatten wir nachmittags meist frei und konnten auch abends mal weggehen. Am Mittwochabend hat uns beispielsweise Eddie, ein Ghanaer, der uns als Ansprechpartner und Freund vor allem im Odehe Center zur Seite steht, zum Banku essen bei einem seiner Freunde eingeladen. Banku ist eines der Grundnahrungsmittel hier in Ghana, ebenso wie Kenkey, die beide haupts\u00e4chlich auf Maismehl basieren. Das ganze Prozedere der Herstellung ist nicht so leicht zu erkl\u00e4ren, aber dabei herraus kommt ein etwa faustgro\u00dfer Teigklo\u00df, der eine leicht matschige Konsistenz besitzt und leicht s\u00e4uerlich schmeckt (ist trotz dessen sehr lecker). Nat\u00fcrlich gibt es zu dem Banku noch irgendeine So\u00dfe und meist Fleisch oder Fisch. Bei Eddie gab es Banku mit Tilapia, das hei\u00dft mit einer scharfen So\u00dfe zum dippen (so scharf, dass ich nur probiert habe und sonst bei dem blo\u00dfen Banku geblieben bin) und einem halben Fisch. Der Fisch war trotz dessen, dass man ihn noch entgr\u00e4ten musste, sehr lecker und da man hier eh alles mit den Fingern isst, konnte ich die meisten Gr\u00e4ten rausfischen, bevor sie in meinen Mund gelangt sind. Zum Essverhalten generell l\u00e4sst sich sagen, dass alles eigentlich ausschlie\u00dflich mit der rechten Hand gegessen wird. Die Linke gilt, wie in Indien auch, als schmutzig und wird deshalb weder zum Essen, noch zum \u00dcberreichen von Geld, zum Winken oder etwas entgegennehmen verwendet. Mittlerweile habe ich mich daran ganz gut gew\u00f6hnt, auch wenn es immer noch eine Herausforderung darstellt, gleichzeitig das Obst entgegen zu nehmen und zu bezahlen ?<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise h\u00e4lt sich mein Kulturschock wirklich in Grenzen. Klar ist hier so einiges anders als in Deutschland, aber Ghana passt sich im Vergleich mit Indien gef\u00fchlt mehr an die westliche Welt an. Zwar sind die heimischen Lebensmittel deutlich billiger und auf dem Markt zu finden, aber dennoch kann man Nudeln, Haferflocken und Milch oder Jogurt kaufen. Die Preise daf\u00fcr entsprechen umgerechnet tats\u00e4chlich ihrem urspr\u00fcnglichen deutschen Preis, sind aber f\u00fcr ghanaische Verh\u00e4ltnisse ein absoluter Luxus. Der Umrechnungskurs liegt momentan etwa bei 5GHC (Ghanaische Cedi) auf einen deutschen Euro. F\u00fcr 10 Cedi bekommt man allerdings schon zwei Ananas, 10-15 kleine Bananen (wirklich klein) und zwei Papayas (oder in Reis gemessen: 4 Portionen Reis f\u00fcr 12 Cedi). Das zeigt, dass 10 GHC in etwa dem entsprechen, was man in Deutschland f\u00fcr 10 \u20ac erwerben kann.<\/p>\n<p>Neu waren f\u00fcr mich auch die TroTros, die hier daf\u00fcr sorgen, dass jedermann von A nach B kommt. Vorzustellen ist ein von den Europ\u00e4ern aussortiert Minivan (zum Teil noch mit deutscher Aufschrift), der mit Sitzreihen f\u00fcr jeweils vier Personen pro Reihe ausgestattet ist. Um das zu bewerkstelligen, besteht die gesamte rechte Reihe aus seitlich hochklappbaren Sitzen, damit das ein und aussteigen m\u00f6glich ist. Es gibt immer einen Fahrer und den Mate. Der Mate ruft aus dem TroTro die Linie, die es f\u00e4hrt und zu jeder Linie gibt es ein bestimmtes Handzeichen. So k\u00f6nnen sich die Passanten schon von weitem mit dem Mate verst\u00e4ndigen und herausfinden, ob das TroTro in ihre Richtung f\u00e4hrt. M\u00f6chte man mitfahren, so muss man mit dem Finger auf den Boden zeigen und dann h\u00e4lt das Gef\u00e4hrt f\u00fcr einen an. Die TroTros sind nat\u00fcrlich so gemacht, dass m\u00f6glichst viele Menschen in einen Van passen, demnach kann es mit Geige und Tasche schon mal eng werden. Man m\u00f6chte ja auch nicht zweit Pl\u00e4tze bezahlen. Die Preise sind nicht verhandelbar, was f\u00fcr uns \u201eWei\u00dfe\u201c sehr angenehm ist, da klar ist, dass wir nicht abgezogen werden. Taxifahrer hingegen hauen einen gerne mal \u00fcbers Ohr und aus dem Grund ist das TroTro unser bevorzugtes Verkehrsmittel. Egal wohin man f\u00e4hrt, an jeder Ampel in Accra warten Verk\u00e4uferinnen darauf, dass die Ampel auf \u201erot\u201c springt und sie ihre Ware anbieten k\u00f6nnen. In den Sch\u00fcsseln auf ihren K\u00f6pfen befindet sich von Zahnpasta \u00fcber Wasser und S\u00e4fte bis hin zu in Essig eingelegte Eier oder s\u00fc\u00dfe, frittierte Teigwaren alles, was man sich nur vorstellen kann. An den wirklich gro\u00dfen Knotenpunkten, wo viele TroTros halt machen und auch ihre Pausen einlegen, kann man seinen Tageseinkauf erledigen, ohne aus dem TroTro aussteigen zu m\u00fcssen. Auch wir kaufen uns manchmal abgepacktes Wasser, getrocknete und gesalzene Bananenchips oder auch etwas S\u00fc\u00dfes f\u00fcr den kleinen Hunger, wie Bofrots. Diese k\u00f6stlichen s\u00fc\u00dfen B\u00e4lle gibt es zu jeder Tageszeit entweder an St\u00e4nden oder bei den Verk\u00e4uferinnen auf der Stra\u00dfe zu kaufen und bestehen aus einem s\u00fc\u00dfen Teig, der aufgrund des Frittierens eine leckere Kruste bekommt. Innen sind die Bofrots fluffig und erinnern von ihrer Konsistenz an Krapfen. Zwischenmahlzeiten, wie die Bofrots sind eine willkommene Abwechslung zu dem sonst sehr scharfen Essen.<\/p>\n<p>Da wir nicht jeden Abend Reis essen wollten, sind wir am Donnerstagabend nach einer Theaterauff\u00fchrung mit traditionellem Tanz im National Theater noch Pizza essen gegangen. In der Innenstadt Accras gibt es durchaus die M\u00f6glichkeit europ\u00e4isch essen zu gehen, aber daf\u00fcr werden logischerweise deutsche Preise angesetzt. Mehr als 5 oder 6 Euro muss man umgerechnet trotzdem nicht zahlen und wir alle haben unsere Pizzen sehr genossen. Da essen gehen auf die Dauer sehr teuer wird, hatte Judith die Idee, doch einfach mal deutsche Sp\u00e4tzle zu machen. Das Rezept konnte sie auswendig und in weiser Voraussicht hatte sie vor ihrer Abreise eine Sp\u00e4tzlesreibe eingepackt. Es war ein absolutes Highlight meiner ersten Woche, dass wir alle zusammen Sp\u00e4tzle frisch gemacht haben und diese dann mit Linsen als Abendessen genie\u00dfen konnten.<\/p>\n<p>Mit den Freiwilligen verstehe ich mich sehr gut und auch in der Wohnung in Teshie (ein Stadtteil Accras, wo wir alle Wohnen) habe ich mich bereits sehr gut eingelebt. Gemeinsame Mahlzeiten, Eink\u00e4ufe, TroTro-Fahrten und abendliche Diskussionsrunden bringen alle als Gruppe besser zusammen und erleichtern das Miteinander (nicht, dass es je schwer gewesen w\u00e4re). Maria und Nikolaj sind bereits 3 Monate hier und reisen auch innerhalb der n\u00e4chsten zwei Wochen ab. Danach m\u00fcssen wir alles organisiert bekommen und ohne Hilfe von au\u00dfen zurecht kommen. Ich denke allerdings, dass wir als Gruppe sehr gut zusammenpassen und auch mit dem Wechsel keine all zu gro\u00dfen Probleme haben werden. Bis zur Abreise der zwei kommen noch die bereits erw\u00e4hnten weiteren drei Freiwilligen, die dann bis Februar bleiben werden. Ich bin schon sehr gespannt, wie dann unser Alltag aussieht, wenn alle vor Ort sind und ein geregelter Wochenablauf steht. Bis dahin werde ich aber einfach weiter \u00fcber neue Erfahrungen und Erlebnisse berichten und versuchen Ghana St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in Deutschland greifbarer zu machen.<\/p>\n<p>Bis dahin alles Gute und ich melde mich bald wieder<\/p>\n<p>Eure Vivien<\/p>\n<div class=\"tiled-gallery type-rectangular\" data-original-width=\"620\" data-carousel-extra=\"{&quot;blog_id&quot;:134859799,&quot;permalink&quot;:&quot;https:\\\/\\\/ghanamusic2017blog.wordpress.com\\\/2017\\\/09\\\/28\\\/trotros-banku-bofrots-und-deutsche-spaetzle\\\/&quot;,&quot;likes_blog_id&quot;:134859799}\">\n<div class=\"gallery-row\" data-original-width=\"620\" data-original-height=\"311\">\n<div class=\"gallery-group images-1\" data-original-width=\"414\" data-original-height=\"311\">\n<div class=\"tiled-gallery-item tiled-gallery-item-large\"><a href=\"https:\/\/ghanamusic2017blog.wordpress.com\/2017\/09\/28\/trotros-banku-bofrots-und-deutsche-spaetzle\/img_43381\/#main\"> <img loading=\"lazy\" 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