{"id":2213,"date":"2025-07-17T12:20:32","date_gmt":"2025-07-17T10:20:32","guid":{"rendered":"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/?p=2213"},"modified":"2025-07-17T12:20:32","modified_gmt":"2025-07-17T10:20:32","slug":"beobachten-kennenlernen-unterrichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/gb\/beobachten-kennenlernen-unterrichten\/","title":{"rendered":"Beobachten, kennenlernen, unterrichten"},"content":{"rendered":"<p>Die ersten zwei Wochen allein in der WG sind vor\u00fcber, seit Sarah und Katharina wieder in Deutschland sind. Zeit f\u00fcr ein Zwischenfazit. An sechs Tagen in der Woche gebe ich Unterricht, je zwei Tage in Nima, Korle Gonno und Teshie. Samstag ist mein Ruhetag. Und interessanterweise ist genau dieser Samstag mein \u201eschlimmster\u201c Tag, dieser Tag, wenn ich nichts zu tun habe und mich auch nicht aufraffen kann mir etwas anzusehen. Dann merke ich, dass ich allein in der WG bin. Die anderen Tage laufen super! Um einen kleinen \u00dcberblick \u00fcber meine Erlebnisse der letzten zwei Wochen zu geben, berichte ich \u00fcber meine Beobachtungen im Verkehrssystem und wie der Unterricht l\u00e4uft, bzw. was genau ich da eigentlich mache. Viel Spa\u00df!<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Und wer mutig genug ist, der f\u00e4hrt Motorrad.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer im Stra\u00dfenverkehr in Accra als Fahrer unterwegs ist, sollte sich warm anziehen. Und wer im Stra\u00dfenverkehr in Accra als Beifahrer unterwegs ist, sollte seinem Fahrer vertrauen k\u00f6nnen. Wie im letzten Blog erw\u00e4hnt, bestehen die Stra\u00dfen aus festgefahrener Erde, Schotterpisten und Asphalt. Wie ein Flickenteppich ziehen sich die Bodenbeschaffenheiten durch die Stadt und die Vororte, gespickt mit Schlagl\u00f6chern. Darauf tummeln sich aller Arten Fahrzeuge. Zwei Dinge sollte man wissen: je gr\u00f6\u00dfer das Gef\u00e4hrt und je lauter die Hupe, desto eher gilt das Recht auf Vorfahrt. Au\u00dferdem: auf den Stra\u00dfen herrscht Anarchie. Die absoluten K\u00f6nige der Stra\u00dfe sind in jedem Fall die LKWs. Und wer mutig genug ist, der f\u00e4hrt Motorrad.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2214\" src=\"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0015-298x450.jpg\" alt=\"\" width=\"298\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0015-298x450.jpg 298w, https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0015-679x1024.jpg 679w, https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0015-768x1159.jpg 768w, https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0015-rotated.jpg 782w\" sizes=\"(max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\">Die vollen Stra\u00dfen in Makola.<\/span><\/p>\n<p>Wenn ich mit dem Bus fahre, dem sogenannten <em>Tro-Tro<\/em>, dann f\u00fchle ich mich erstaunlich sicher. Denn: Wie der Taxifahrer in London jede Gasse kennt, so kennt der Busfahrer in Accra jedes Schlagloch. Dicht eingepackt besetze ich einen der wenigen Pl\u00e4tze. Je nach Gr\u00f6\u00dfe des Busses variiert die Anzahl der Sitzpl\u00e4tze zwischen 15 und 20. Man kann sich vielleicht vorstellen, wie die Atmosph\u00e4re in den umgebauten Transportern ist. Vor allem in der Mittagshitze, wenn man anf\u00e4ngt in der Blechb\u00fcchse zu schmoren. Wenn ich eingestiegen bin, wird abkassiert. In jedem <em>Tro-Tro<\/em> gibt es jemanden, der aus dem Fenster ruft, wohin der Bus f\u00e4hrt, der die Ein- und Ausstiege organisiert und das Geld der Mitfahrer:innen einsammelt. Wenn ich aussteigen m\u00f6chte, muss ich das rechtzeitig bekannt geben. Zweimal bin ich eine Station zu weit gefahren. Wenn ich mich mittags auf den Weg mache Richtung Nima oder Korle Gonno, sind die Fahrten meistens entspannt. Ich bekomme schnell einen Bus und auch der Verkehr ist \u00fcberschaubar. Viel interessanter wird es auf dem R\u00fcckweg, wenn alle wieder nach Hause fahren. In Nima habe ich schon eine Dreiviertelstunde auf einen freien Sitzplatz gewartet. Wir erinnern uns, es ist ein Kampf um die Pl\u00e4tze. Wenn du nicht in der ersten Sekunde checkst, dass das dein Bus ist, der gerade einf\u00e4hrt, sind die schon Pl\u00e4tze besetzt. Keine Chance. Meine Devise ist es also, Geduld mitzubringen. Ich lasse mir und nehme mir einfach bewusst die Zeit zum Busfahren.<\/p>\n<p>Wenn ich angekommen bin, warte ich meistens auf meine Sch\u00fcler:innen. Selten ist jemand vor mir da. Das Warten kann von kurzer oder langer Dauer sein. Es kam schon vor, dass ich 90 Minuten drau\u00dfen im Schatten sa\u00df und gelesen habe. Ich kann wirklich nur empfehlen f\u00fcr die Wartezeiten stets ein Buch dabei zu haben. Nach und nach treffen alle ein. Es sind mal mehr und mal weniger Sch\u00fcler:innen. Die Unterrichtszeit ist gef\u00fcllt von Kl\u00e4ngen und Ger\u00e4uschen. Es ist immer ein Durcheinander, was es zu managen gilt oder in welchem ich versuche mit einzelnen Sch\u00fcler:innen zu \u00fcben. Es funktioniert nicht immer, aber ich habe mir vorgenommen zumindest bei jeder Unterrichtseinheit bei jedem Sch\u00fcler und jeder Sch\u00fclerin einmal \u00fcber die Schulter zu schauen.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Das Sch\u00f6ne daran ist, dass es nie langweilig wird.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Viele Sch\u00fcler:innen spielen nach Gef\u00fchl, was besonders dann nicht funktioniert, wenn sie zusammenspielen. Daher verbringe ich viel Zeit damit, Noten zu erkl\u00e4ren, Rhythmen zu klatschen, Melodien vor- und mitzusingen und das Metrum zu klopfen. Manche Sch\u00fcler:innen verstehen schnell, was ich meine. Bei anderen hingegen muss ich zehnmal erkl\u00e4ren, dass eine punktierte Viertel anderthalb Schl\u00e4ge gespielt wird und nicht einen oder zwei. Das Sch\u00f6ne daran ist, dass es nie langweilig wird. Es sind jeden Tag neue Herausforderungen, die mich erwarten und neue Fortschritte, die wir gemeinsam machen. Prosper, mein Trompetensch\u00fcler in Nima, konnte beim ersten gemeinsamen Unterricht nicht einen geraden Ton spielen. Mittlerweile bekommt er nicht nur einen einfachen Rhythmus hin, sondern kann auch eine halbe F-Dur-Tonleiter hoch und wieder runter spielen. Mit Isak, einem meiner Gitarrensch\u00fcler in Korle Gonno, habe ich <em>Scarborough<\/em> <em>Fair<\/em> im Duett erarbeitet und mittlerweile \u00fcben wir das St\u00fcck <em>Greensleeves<\/em>. Mit Asselan, David und Michael hingegen \u00fcbe ich den Wechselschlag mit Zeige- und Mittelfinger.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2217\" src=\"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0117-670x444.jpg\" alt=\"\" width=\"670\" height=\"444\" srcset=\"https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0117-670x444.jpg 670w, https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0117-1024x679.jpg 1024w, https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0117-768x509.jpg 768w, https:\/\/accra.musikerohnegrenzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC_0117.jpg 1180w\" sizes=\"(max-width: 670px) 100vw, 670px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\">Der Blick auf die Fischerboote in James Town.<\/span><\/p>\n<p>Morgen werde ich das erste Mal bei einer Probe des National Symphony Orchestra vorbeischauen und vielleicht, je nach Zeit, besuche ich danach die Amba Gallery, ein Kunstmuseum im Herzen Accras.<\/p>\n<p>Gru\u00df, David<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ersten zwei Wochen allein in der WG sind vor\u00fcber, seit Sarah und Katharina wieder in Deutschland sind. 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