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Aktuell

Sommer 2015:
Nach sehr, sehr  anstrengenden Wochen, wichtigen Entscheidungen und Weichenstellungen, bin ich nun insgesamt unheimlich froh und erleichtert, weil ich glaube, dass sich unser Projekt auf einem guten – jetzt noch wesentlich besseren – Weg befindet. Unser Verein, unser Projekt ist noch relativ jung und neu, und da bleibt es nicht aus, dass man Kurskorrekturen vornehmen muss, Weichen neu stellen muss, auch wenn das manchmal schmerzlich ist. Unser Engagement findet in Ghana sehr viel Zuspruch, viele Schulen sind an einer Zusammenarbeit mit uns interessiert und wir konnten neue, wichtige Partner – wie Genius Hive (s.u.)– gewinnen. Ich freue mich außerdem sehr auf den Dokumentarfilm, den Gero, Sebastian und Fabian letztes Jahr von unserem Projekt in Ghana gedreht haben. Ich durfte bereits eine erste Fassung den Kindern in Ghana nach unserem zweiten Konzert zeigen und ich bin ganz beglückt und dankbar.

– Mit Genius Hive haben wir nun einen neuen Partner „an Bord“. Ich denke, alle bisherigen Freiwilligen werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass diese Entwicklung sehr vielversprechend ist. Genius Hive ist eine ghanaische Musikschule, die sich zum Ziel gesetzt hat, klassische Musik mit hohem Anspruch zu unterrichten und in den nächsten Jahren ein afrikanisches Orchester auf mit europäischen Standards vergleichbarem Niveau zu etablieren. Außerdem will auch Genius Hive vor allem sozial schwächer gestellten Kindern zu einer musikalischen Ausbildung verhelfen. In gewisser Weise ist unsere Zusammenarbeit optimal, weil auf der einen Seite Genius Hive wirtschaftlich agieren, d.h. auch reiche Kinder gegen Geld unterrichten (damit die Lehrer bezahlt werden können) muss, wir hingegen den anderen Bereich abdecken können, d.h. Kinder kostenlos unterrichten, die sich sonst keinen Instrumentalunterricht leisten könnten. Diese Trennungslinie ist ganz klar vereinbart zwischen unseren beiden Organisationen, d.h.: unsere Freiwilligen werden keine Kinder unterrichten, die dafür Geld bezahlen. Johannes Probst (unser „aktueller“ Freiwillige) unterrichtet nur im Kinder-Paradise, einer von einer Deutschen ins Leben gerufenen und geleiteten NGO, die Straßenkinder, Waisen und die wirklich Ärmsten der Armen unterrichtet und unterbringt, und in einer anderen Schule, die eine öffentliche Schule ist, also eine, in die Kinder gehen, die nicht mal das geringste Schulgeld bezahlen können. Johannes und zukünftige Freiwillige können von Genius Hive untergebracht werden und schlafen pro Woche ein/ zwei Nächte beim Kinder-Paradise. Alle Unterkünfte sind kostenfrei und gut eingerichtet. Julius von Genius Hive kümmert sich außerdem um Visa und um das Wohl der Freiwilligen.
– Leider hatten wir auch mit unserem Engagement in Nungua etwas Pech, da die Schulleiterin, die ursprünglich unser Projekt mit ins Leben gerufen und unterstützt hat, auf eine andere Schule gewechselt ist und ihre Nachfolgerin nicht viel übrig hat für unser Projekt. Sie wollte vor allem die Räumlichkeiten, in denen unsere Freiwilligen untergebracht waren, für andere Zwecke nutzen. Wir haben nun also die vom Verein bezahlte Einrichtung der Wohnung zu Genius Hive gebracht, damit sie dort von unseren Freiwilligen genutzt werden kann. Johannes wird weiterhin nach Nungua fahren und die Kinder weiter unterrichten, die bereits in unserem Projekt waren, allerdings dort keine zusätzlichen Kinder mehr aufnehmen.
– Von Nima gibt es eigentlich nur Positives zu berichten. Es macht sehr viel Spaß dort, auch der Unterricht unserer ghanaischen Lehrer läuft regelmäßig und gut und wird von unserer treuen Seele Abdallah gewissenhaft im „attendance book“ dokumentiert. Wir haben nun auch engen Kontakt zu einer weiterführenden Schule, wo im Moment drei unserer ehemaligen Orchesterkinder sind und ab September noch mal 4 Kinder hin wechseln werden. Es ist vereinbart, dass auch diese Kinder weiterhin von unseren Freiwilligen in der Library unterrichtet werden. Damit ist ein für mich sehr wichtiges Problem weitestgehend gelöst, nämlich die Fortdauer des Musikunterrichts. Für die Schule hat das auch den Vorteil, dass es für die Kinder aus der AMIS –schule einen zusätzlichen Anreiz darstellt, eben auf diese Schule zu wechseln. Weitere Schulen in Nima haben nach unserem diesjährigen Konzert Interesse angemeldet, auch in das Projekt aufgenommen zu werden. Ich musste sie aber erst einmal vertrösten, weil wir uns nicht übernehmen und erst einmal auf die neuen Aufgaben im Kinder-Paradise, etc. konzentrieren wollen.
– Unser Konzertprojekt 2015, besser gesagt: unser Musical „My Fair Lady in Ghana“ hat sehr viel Spaß gemacht. Unsere Freiwilligen Fabia, Sibel und Johanna haben sich wirklich großartig ins Zeug gelegt, hervorragende Arbeit geleistet und am Ende haben wir doch tatsächlich eine – von uns umgeschriebene – ghanaische Version des Musicals mit Kostümen, Tanz, Schauspiel, Orchester, Chor, Soli, also mit großem Brimborium, auf die Bühne des Goethe-Instituts und dann auf die der katholischen Kirche in Nima gebracht.
– Für nächstes Jahr laufen bereits die Planungen. Die deutsche Botschaft hat signalisiert, uns nächstes Jahr wieder fördern zu wollen. Außerdem habe ich Korkor kennengelernt, eine Art ghanaische Musikagentin, die sehr gut vernetzt und organisiert zu sein scheint. Die Planungen stehen noch ganz am Anfang, deshalb möchte ich noch nicht zu viel verraten, aber ich glaube, dass nächstes Jahr alles etwas einfacher und größer sein wird. Vor allem die Finanzierung wird nächstes Jahr bestimmt einfacher. Ich bin aber auch froh, dass unser Vereinskonto dieses Jahr fast keine zusätzliche Belastung durch die Konzerte erfahren hat und dass wir Instrumente und Wohnungseinrichtungen sicher und heil nach Genius Hive verfrachten konnten, so dass auch hier keine wesentlichen Verluste entstanden sind. Somit können wir auch weiterhin Spendengelder zum allergrößten Teil für Instrumentalunterricht und Reparatur der Instrumente nutzen. Trotz zahlreicher Spenden von Instrumenten und Zubehör, lässt es sich manchmal nicht vermeiden, z.B. Bögen oder Saiten zu kaufen.
– Ich freue mich sehr, dass wir mit unseren beiden Freiwilligen Johannes und Sofie ein wirklich tolles Team in Ghana haben; leider kann Sofie erst im Dezember anfangen, weil sie dann erst 18 wird.
Allen bisherigen Freiwilligen, Gerda und Ellen für ihren unermüdlichen Einsatz, allen Vereinsmitgliedern, allen Spendern, und allen, die dieses Projekt unterstützen, möchte ich ganz, ganz herzlich Dank sagen!
Ganz herzliche Grüße,
Markus Baisch